Inherit the Wind

Eine historische Analyse

Der Film und das Schauspiel zum am meisten veröffentlichten Gerichtskonflikt aller Zeiten zwischen Schöpfung und Evolution ist in Wirklichkeit eine verdrehte Fälschung.

Es vergeht kaum ein Jahr, in dem Jerome Lawrence und Robert E. Lee nicht schauspielerisch tätig sind und der Film Inherit the Wind nicht von einer örtlichen Schule gedreht oder irgendwo im Fernsehen gezeigt wird. Inherit the Wind, der keine wirkliche Dokumentation ist, wird von vielen Zuschauern als Dokumentationsdrama zum berühmten Scopes 'Affen'-Gerichtsfall aus dem Jahr 1925 angesehen.

In dieser Gerichtsverhandlung stehen sich William Jennings Bryan und Clarence Darrow gegenüber, um den in öffentlichen Schulen ausgetragenen klassischen Konflikt zwischen der Evolutionslehre und der Schöpfung auszutragen. Obwohl der künstlerischen Freiheit bei der Ausarbeitung der gerichtlichen Auseinandersetzung Raum gelassen wurde, wurde der Wortaustausch im Gerichtssaal gelegentlich Wort für Wort aus der Niederschrift des tatsächlichen Scopes-Falles übernommen. Unglücklicherweise ist die dabei entstandene Darstellung von vielen als historischer Bericht für die Gerichtsverhandlung aufgefaßt worden. Das Stück ist jedoch keine echte und tatsachengetreue Wiedergabe der großen Schlacht zwischen Anschauungen und Glaubensbekenntnissen, die am Rhea County Gerichtshof in Dayton, Tennessee, ausgetragen wurde.

Seltsamerweise werden in Inherit The Wind (nicht wie in anderen historischen Dramen, wie zum Beispiel Gandhi oder Patton) die wirklichen Personennamen oder Orte nicht wiedergegeben. Einige Personen des Stückes, wie zum Beispiel Reverend Jeremiah Brown und seine verfolgte Tochter Rachel, sind frei erfunden. Die anderen Hauptfiguren stellen bekannte Persönlichkeiten dar, die an der Verhandlung teilgenommen haben. Matthew Harrison Brady wird von William Jennings Bryan dargestellt, Henry Drummond wird von Clarence Darrow gespielt, Bert Cates ist in Wirklichkeit John Scopes und E.K. Hornbeck hat die Rolle des H.L. Mencken.

Ich habe mich dazu entschlossen, die tatsächlichen Namen der Hauptpersonen in dieser Gerichtsverhandlung zu verwenden, um Verwirrung zu vermeiden. Schließlich hat es ja nie Zweifel gegeben, wen die Hauptfiguren im Stück jeweils wiedergeben. Im folgenden Vergleich werden die Auszüge aus dem Stück mit Im Stück überschrieben. Die Analysen der Auszüge sind dann mit In Wirklichkeit betitelt.

1) Im Stück

Mit großer Anstrengung wird versucht, Mitgefühl für John Scopes zu erwecken. Er ist der ach-so-verfolgte Schullehrer, der ins Gefängnis kommt, weil er die Evolutionstheorie lehrt, und der es riskiert, seinen Job und seine Freundin zu verlieren. Wir werden wiederholt daran erinnert, daß 'Geldstrafe und Gefängnis' mögliche Konsequenzen seiner Straftat sind.

In Wirklichkeit

Scopes kam niemals ins Gefängnis, noch bestand für ihn die Gefahr, ins Gefängnis zu kommen. Das Hauptstrafmaß für ein Vergehen gegen die Butler-Akte, die das Lehren der Evolutionstheorie in Tennessee untersagte, war eine Geldstrafe von $500. Scopes hatte keinen naturwissenschaftlichen Universitätsabschluß, sondern nur ein unvollständig abgeschlossenes Jurastudium an der Universität von Kentucky. Scopes war kein Biologielehrer; sondern er ersetzte nur einen Biologielehrer, der gegen Ende des Schuljahres für zwei Wochen erkrankte. Scopes Beteiligung an dieser Gerichtsverhandlung von seiner Seite aus war eine rein freiwillige Entscheidung. Die American Civil Liberties Union (ACLU) suchte einen Lehrer, der sich bereitwillig für diesen Fall zur Verfügung stellte, um die Butler-Akte anzufechten, wobei ihm alle Ausgaben bezahlt wurden. Die ACLU warb in einer Zeitung mit dem Anzeigenzitat:

'Wir suchen einen Lehrer aus Tennessee, der sich bereitwillig an unserer Erprobung dieses Gesetzes vor Gericht beteiligt.'

Der örtliche Geschäftsmann George Rappleyea las diese Anzeige und machte sich sofort daran, John Scopes aufzusuchen und ihn unter Druck zu setzen, das Angebot der ACLU anzunehmen. In seiner Autobiographie berichtet Scopes im Detail von seiner Unterredung mit Rappleyea, Robinson und anderen Geschäftsleuten von Dayton:

'Ich sagte: "Wenn ihr mir zeigen könnt, daß ich die Evolution gelehrt habe und daß ich mich zu

ihrer Verteidigung eigne, bin ich gerne bereit, in die Gerichtsverhandlung zu gehen."

"Du wurdest doch als Biologielehrer eingesetzt?" entgegnete Robinson.

"Ja." Ich nickte. "Als Mr Ferguson erkrankt war."

"Also hast du doch dann Biologie gelehrt. Hast du nicht die Evolution behandelt?"

"So weit ich mich erinnere, sind wir wegen des Endexamens darauf eingegangen. Um ehrlich

zu sein, war ich mir nicht sicher, ob es die Evolution war, die ich gelehrt hatte."

Robinson und die anderen schienen darüber nicht sehr besorgt zu sein. Ich hatte die

Bereitschaft ausgedrückt, in die Verhandlung zu gehen, und das reichte ihnen.' 1

John Scopes wurde also nicht im geringsten attackiert. Eher war er es, von dem der Angriff ausging. Scopes trat freiwillig der ACLU-Gruppierung bei, im Versuch, die Butler-Akte anzufechten und zu annulieren. Im Buch The Great Monkey Trial ("Der Fall 'Affe'") von Sprague de Camp zeigt eine ungewöhnliche Unterredung zwischen Scopes und dem Reporter William K. Hutchinson vom International News Service, daß Scopes Verteidiger dessen Studenten erst zur Bestätigung der Behauptung, John Scopes hätte sie die Evolutionstheorie gelehrt, überreden mußte. Dabei hatte er das gar nicht getan.2

2) Im Stück

Durch die ganze Geschichte hindurch wird William Jennings Bryan als engstirnig, aufgeblasen, dumm, intolerant, heuchlerisch, unaufrichtig und genußsüchtig dargestellt. Der folgende Dialog zwischen Darrow und Bryan erscheint auf Seite 51:

Darrow: Ich glaube, Sie können sich kaum an viele Passagen aus Vom Ursprung der Arten erinnern?'

Bryan: 'Ich bin nicht im geringsten an den heidnischen Thesen dieses Buches interessiert.'

Darrow: 'Sie haben es niemals gelesen?'

Bryan: 'Und ich werde es auch nie tun.'

In Wirklichkeit

Einer von Bryans Biographen, Lawrence W. Levine berichtet, daß Bryan Darwins Buch Vom Ursprung der Arten 20 Jahre vor dem Scopes-Fall gelesen hatte! Bryans Zurückhaltung hinsichtlich der Evolutionstheorie rührte sicherlich aus seinem religiösen Glauben her. Er lieferte allerdings auch sehr gute Argumente in seinen Artikeln, die sich kritisch gegen die Evolutionstheorie richten.

Bryan führte zum Thema Evolution lange Zeit auch einen Briefwechsel mit dem berühmten Evolutionisten Henry Fairfield Osborn. Für einen Laien waren Bryans Kenntnisse über Argumente für und gegen die Evolution ausgesprochen tief und detailliert. Im Vergleich dazu zeigt die Verhandlungsniederschrift, daß Darrow den Eindruck vermittelte, nur wenig Ahnung von der Evolution zu haben. Darrow gründete seinen Glauben an die Evolution auf wissenschaftliche 'Autorität', die er ohne Hinterfragung akzeptierte.

Der Autor Sprague de Camp wies Bryans konservatives Christentum zurück und ließ keine Möglichkeit aus, dessen wissenschaftliche Meinung zu kritisieren. Seine Ehrlichkeit veranlaßte ihn hingegen dazu, Bryan einige zweifellos tugendhafte Eigenschaften zuzugestehen:

'Als Sprecher zeigte Bryan eine ausgesprochen kernige und humorvolle Aufrichtigkeit. Wenn man ihn hörte, konnte man eigentlich nicht anders als ihn mögen ... Seine Persönlichkeit war kraftvoll, energisch und zielstrebig, aber auch genial, freundlich, zugestehend, liebevoll und charmant ... Er legte eine lobenswerte Toleranz denen gegenüber an den Tag, die nicht mit ihm übereinstimmten ... Bryan war der beste amerikanische Redner seiner Zeit oder vielleicht sogar überhaupt.'3

Das unterscheidet sich ganz sicher von dem, was das Schauspiel zeigt. Und doch entspricht Camps Beschreibung von Bryans Charakter den meisten über Bryan gschriebenen Biographien (siehe Levin, 1965, und Coletta, 1969).

3) Im Stück

Die konservativen Christen von Dayton in Tennessee werden als ignorant, engstirnig und unhöflich hingestellt. Hier sind nur ein paar Beispiele: Als H.L. Mencken in der Stadt ankommt, fragt ihn Elijah (ein Bibelverkäufer, der weder lesen noch schreiben kann): 'Was bist du? Ein Evolutionist? Ein Treuloser? Ein Sünder?' Der Bürgermeister der Stadt bietet sich an, einen Ordnungshüter der Stadt ausfindig zu machen, der Clarence Darrow davon abhält, die Stadt zu betreten. Als Darrow schließlich in der Stadt ankommt, schreit ein junges christliches Mädchen: 'Der Teufel!' und rennt vor Angst weg.

In Wirklichkeit

Im folgenden sehen wir einen Auszug aus H.L. Menckens erstem Abriß, den er an seine Zeitung sendet: 'Es gibt auch keinen Anhaltspunkt für den giftigen Geist, der sich sonst gewöhnlich zeigt, wenn christliche Männer sich versammeln, um die großartige Lehre ihres Glaubens zu verteidigen ... Im Gegenteil! Die Evolutionisten und die Anti-Evolutionisten scheinen das Beste aus allem zu machen. Es ist schwer, in einer Gruppe den einen vom anderen zu unterscheiden.'4

Hier ist ein Zitat von Clarence Darrow am siebten Tag der achttägigen Gerichtsverhandlung:

Darrow: 'Ich weiß es nicht, denn ich war noch nie in meinem Leben in einer Gemeinschaft, in der sich meine religiösen Ansichten so sehr von der Masse unterschieden, wie ich es in Tennessee vorfand. Ich kam hierher als ein absoluter Fremder, und ich kann sagen, was ich auch schon vorher gesagt habe, daß ich in keinem Stück - weder an einem Bürger dieser Stadt noch außerhalb - auch nur die geringste Unhöflichkeit bemerkt habe. Ich bin hier besser, liebevoller und mit mehr Gastfreundlichkeit behandelt worden, als ich es mir vom Norden je erträumt hatte.' (Verhandlungsniederschrift, Seite 225-226.)

4) Im Stück

In der Gebetsversammlung. Auf Seite 39 des Stücks lesen wir die folgende Passage:

Rev. Brown: 'Glauben wir an die Wahrheit des Wortes?'

Alle: 'Ja!'

Rev. Brown: (Zeigt mit dem Finger auf das Gefängnis.) 'Verfluchen wir den Mann, der das Wort verleugnet?'

Alle: (Immer heftiger und lauter) 'Ja!'

Rev. Brown: 'Werfen wir diesen Sünder aus unserer Mitte?'

Alle: 'Ja!' (Die peitschenden Schreie der Menge scheinen Rachel körperlich zu schmerzen und zu schütteln. Die Gebetsversammlung ist über das Familiäre hinaus ausgeufert zu einer orgiastischen Raserei.)

Rev. Brown: 'Rufen wir das Höllenfeuer auf den Mann, der gegen das Wort gesündigt hat?'

Alle: (Gebrüll) 'Ja!'

Rev. Brown: (Schmettert selbst den Rhythmus, fängt dann ein spleeniges Gebet an, wobei er die Hände fest zusammengefaltet und himmelwärts gerichtet hat.) '... Laß ihn den Terror Deines Schwertes fühlen! Laß seine Seele für alle Ewigkeit in Verdammnis und Angst sich winden.'

Rachel: 'Nein!' (Sie rennt auf die Bühne.) 'Nein Vater. Bete nicht für Berts Zerstörung! [Scopes] (Sie fällt vor der Bühne auf die Knie.) Nein, nein, nein ...!'

Rev. Brown: 'Herr, wir rufen denselben Fluch hernieder auf diejenigen, die Gnade für diesen Sünder erbitten - auch wenn sie von meinem Blut sind und Fleisch von meinem Fleisch!'

In Wirklichkeit

Reverend Jeremiah Brown und die Gebetsversammlung sind frei erfunden. Vorangehend im Stück bezeichnet der Bürgermeister Rev. Brown als den geistigen Leiter der Gemeinde. Da er eine fiktive Figur ist, gestalten ihn die Autoren, wie sie wollen. Man mag vielleicht erwarten, daß der geistige Leiter der Stadt ein demütiger Mann Gottes ist, der auf andere mit Mitgefühl und Liebe eingeht. Die Autoren jedoch präsentieren ihn als einen hochmütigen Geist, der Höllenfeuer selbst auf seine eigene Tochter herabruft.

5) Im Stück

Scopes Verlobte 'Rachel Brown' wird als Zeugin genannt. Sie wird furchtbar mißhandelt von Bryan, der sie zwingt, gegen ihren Freund auszusagen und Dinge preiszugeben, die aus tief persönlichen Unterredungen zwischen Scopes und ihr herstammen (und die Bryan vor der Verhandlung im 'Vertrauen' aus ihr herauspreßte). Bryan, immer der Fanatiker, verliert seine Selbstkontrolle und wird in der Befragung der verängstigten jungen Dame gnadenlos und grausam. Darrow auf der anderen Seite befürwortet in großherziger Weise, Rachel nicht einem Kreuzverhör zu unterziehen, damit ihr nach Bryans Mißbrauch nicht noch mehr Schmerz zugefügt wird.

In Wirklichkeit

An der Gerichtsverhandlung nahm keine Frau teil. Scopes hatte keine spezielle Freundin oder Verlobte zu dieser Zeit. Bryan war in der Behandlung von Zeugen zu jeder Zeit höflich, wie die Gerichtsniederschrift zeigt. Darrow zeigte sich dagegen öfters herablassend und aufdringlich, wenn er mit Zeugen, Geschworenen, Anwälten der Gegenseite und sogar dem Richter redete. Es war eigentlich Darrow, der die Etikette nicht wahrte und wiederholt Richter Raulston unterbrach und beleidigte.

6) Im Stück

Darrow fragt Bryan zum Thema Sex:

Darrow: '... Sie stehen hier oben als ein Bibelexperte. Was ist die biblische Aussage über Sex?'

Bryan: 'Er wird als die Ur-Sünde bezeichnet.'

In Wirklichkeit

Es wurde vor Gericht nicht über Sex diskutiert. Auch lehrt die Bibel nicht, daß die ursprüngliche Sünde sexuell in ihrer Natur war.

7) Im Stück

Als der Richter Bryan aus dem Zeugenstand bittet, wird Bryan ausfällig:

Bryan: 'Ich glaube an die Wahrheit im ersten Buch Mose!'

(Mit den rhythmischen Hammerschlägen eines Moralapostels, seine beiden geschlossenen Fäuste erhoben durch die Luft wedelnd, zitiert er inbrünstig die Bücher des Alten Testaments.)

Die Gerichtsverhandlung ist beendet, und die Zuschauer verlassen nacheinander den Raum, während Bryan fortfährt, seine geballten Fäuste in der Luft herumzuwedeln.

In Wirklichkeit

Bryan wurde nie ausfällig, noch zitierte er aus den Büchern der Bibel. Hier ist nur ein weiterer Versuch, Bryan als ausgeflippten religiösen Geisteskranken darzustellen.

8) Im Stück

Der 'festgenommene' John Scopes wird für schuldig befunden. Darrow ist über diese Ungerechtigkeit gegen seinen Klienten sichtlich erschüttert. Bryan dagegen ist rachsüchtig und beschwert sich, daß für eine Straftat solchen Ausmaßes die Geldstrafe von $100 gegen John Scopes zu gering bemessen sei: 'Euer Ehren, das Urteil ist zu milde! Wo Anschuldigungen solchen Ausmaßes zu behandeln sind, muß der Gerichtshof zu weit drastischeren Strafmaßnahmen greifen.'

In Wirklichkeit

Die Verletzung der Butler-Akte wurde mit einer Geldstrafe von nicht weniger als $100 und nicht mehr als $500 geahndet. Gefängnisstrafe war vom Gesetz nicht vorgesehen. Bryan war über die Geldstrafe nicht im mindesten aufgebracht, noch war es jemand anderes. Tatsächlich bot sich Bryan sogar an, Scopes Geldstrafe zu bezahlen. Alle Ausgaben von Scopes, die im Bezug zur Verhandlung standen, wurden durch die Interessensgruppierung getragen, ebenso seine weitere Ausbildung nach der Gerichtsverhandlung.

9) Im Stück

Das Schauspiel gelangt zu einem chaotischen und geräuschvollen Höhepunkt, als Bryan all seine Vernunft und Würde verliert und in seinem unerwarteten Zornesausbruch seine eigene Schlußfolgerung vorliest. Die Menge ist gelangweilt und verläßt den Raum, während Bryans Frau zurückbleibt und mit Schrecken mitansehen muß, was aus ihrem einst gesunden und sorgevollen Ehemann geworden ist. Bryan, völlig verschlossen zu dem, was um ihn herum geschieht, fährt fort mit seinen abschließenden Bemerkungen. Schließlich fällt er, von religiösem Eifer völlig zerfressen, im Gerichtssaal zu Boden. Als man ihn hinausträgt, fängt er in einer seltsamen, fremden Stimme und in völlig unpassender Weise an, eine Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten nachzuahmen. Minuten später wird sein Tod verkündigt.

In Wirklichkeit

Weder Bryan noch Darrow kamen dazu, die abschließenden Worte zu sprechen, die gewöhnlich am Ende einer Gerichtsverhandlung den Geschworenen zur Urteilsfindung vorgetragen werden. Als Darrow seinen Zweck erreicht hatte, Bryan für dessen Glauben an biblische Wunder lächerlich zu machen, bittet er den Richter, den Geschworenen die Erlaubnis zu geben, sich für Scopes Schuldigsprechung zurückzuziehen. Indem er das tat, schaltete er die Notwendigkeit für abschließende Argumente aus. Bryan hatte sich intensivst auf seine abschließenden Worte vorbereitet. Dieser Zug von Darrow verhinderte, daß Bryan seine fundierten wissenschaftlichen und religiösen Argumente gegen die Evolutionstheorie vortragen konnte. Bryan fürchtete sich etwas davor, daß seine Rede an die öffentlichkeit gelangen könnte, und erklärte seinen Wunsch für eine Veröffentlichung erst eine Stunde vor seinem Tod. Die Rede selbst war logisch und wohl durchdacht - nicht im geringsten die Gedankensprünge eines Geisteskranken. Es sei denn natürlich, daß man alle bibelgläubigen Christen als 'geisteskrank' abtut.

Bryan, schließlich, starb nicht im Gerichtssaal nach einer wahnsinnigen Raserei. Er starb im Schlaf fünf Tage nach der Verhandlung. Er war Diabetiker, und die ärzte hatten ihn gewarnt, seinen Arbeitseifer zurückzuschrauben. Die Behandlung mit Insulin befand sich noch in den Kinderschuhen.

Schluß

Was klar ersehen werden kann, ist, daß das Stück und der Film in ihrer Inszenierung nicht einfach nur ungenau, sondern eine beabsichtigte Fälschung sind. Die Verdrehungen sind systematisch und von der Art einer verleumderischen Lüge gegen Menschen, die an biblische Wunder glauben und besonders an den biblischen Bericht der Schöpfung.

Auf der anderen Seite werden die Kritiker von biblischen Wundern als herausragende, vernünftige Leute präsentiert, die Mißhandlungen, Drohungen und Unkenntnis von Seiten fundamentaler Christen erdulden müssen.

Die Tatsachen suggerieren, daß die Verdrehungen im Bühnenstück und im Film geplant und systematisch sind. Christen und besonders William Jennings Bryan werden durch das gesamte Stück hindurch in Mißkredit gebracht, während Skeptiker und Agnostiker als intelligent, liebenswürdig und sogar heroisch dargestellt werden. Ich kann nicht um den Schluß herum- kommen, daß die Schreiber von Inherit the Wind eigentlich nie die Absicht hatten, die historische Begebenheit des Scopes-Falles wahrheitsgetreu darzustellen, noch einen seriösen Versuch machten, die Hauptcharaktere und ihre Anschauungen gerecht und wahrheitsgemäß wiederzugeben.

Quellen


 

von David Menton

Entnommen aus "Ex Nihilo", Dezember 1996/Februar 1997, Vol 19, No.1

  • 1. John T. Scopes and James Presley, Center of the Storm: Memoirs of John T. Scopes, Holt, New York, 1967, p. 60.
  • 2. The Great Monkey Trial, Sprague de Camp, p. 432.
  • 3. Ibid, p. 36-37.
  • 4. Op. cit. p. 147.