Seelen - oder ein Kirchenamt retten?
Oral Roberts behauptet, er habe Tote auferweckt
Satan bekämpfen, Tote auferwecken und Brieftaschen salben: Ein neues Evangelium - laut Oral.Was immer Jesus Christus getan hat, Oral Roberts meint, daß er es auch tun kann - vielleicht nicht besser, aber fast genauso gut. Wie der Evangelist aus Tulsa erzählt, macht er viel mehr, als nur Kranke zu heilen. In den letzten sechs Monaten hat er eine Todesdrohung von Gott abgewendet, Der ihm sagte, Er würde Roberts "nach Hause" zitieren, wenn er nicht acht Millionen Dollar einsammeln würde. Hätte er nicht in letzter Minute einen Scheck von einem Hunderennbahnbesitzer aus Florida erhalten, dann wäre der Pfingstprediger in den Himmel aufgefahren. Letztes Frühjahr wurde er dann, wiederum wie Jesus, in seinem Schlafzimmer in Tulsa von Satan rauh angepackt. Und nun hat sich bei Roberts eine Kraft offenbart, von der nur seine treuesten Anhänger vermuteten, daß er sie besitzen würde: die Fähigkeit, Tote aufzuerwecken. "Ich kann euch nicht von all den toten Menschen erzählen, die ich auferweckt habe", rühmte sich Roberts vor ungefähr 5000 Pfingstlern kürzlich bei einer charismatischen Bibelkonferenz.
Diese bizarre Prahlerei war viel mehr ein weiteres Zeichen dafür, daß die Roberts-Mission es nötig hat, sich selbst ein wenig aufzupolieren. Von all den Spitzenfernsehevangelisten rangiert nur Jim Bakker, der gefallene PTL-Star, weiter unten in der Wertschätzung des Publikums. Was noch dazu kommt: Roberts' Anspruch auf das Elementare bei der Glaubensheilung bedeutet schlechte Nachrichten für seine Kollegen. Von fast täglichen Beschuldigungen der Sex-, Geld- oder Machtskandale hin- und hergeworfen, können sich die Prediger der Haupteinschaltzeit kaum einen weiteren rätselhaften Skandal vom größten Visionär unter den Fernsehgesalbten leisten.
Denkt Oral Roberts etwa wirklich, er könne die Toten zurückbringen? Nun, ja und nein. In einem Fernsehinterview im Programm seines Sohnes "Richard Roberts live" erzählte der berühmte Heiler, wie er ein totes Kind vor 10.000 Zeugen wieder zum Leben erweckt hatte. Während eines Heilungsgottesdienstes, so erinnerte er sich, sei eine Mutter im Publikum aufgesprungen und hätte gerufen: "Mein Baby ist tot!" Roberts sagte, er hätte über das Kind gebetet, und "es zuckte, es zuckte in meiner Hand." Aber das war vor über 20 Jahren, und Roberts räumte ein, daß weder das Kind noch andere, von denen er gesagt hatte, er habe sie zum Leben erweckt, für klinisch tot erklärt worden waren. "Ich verstehe", sagte er ausweichend, "daß es einen Unterschied gibt, ob jemand am Sterben ist und nicht atmet oder (ob jemand) für klinisch tot erklärt wurde."
Trotz solcher Erklärungen war der Schaden geschehen. James Dobson, Präsident der nationalen Vereinigung der christlichen Psychotherapeuten und Ratgeber, sagte, Roberts Behauptungen hätten "die Notwendigkeit einer ernsthaften psychiatrischen Untersuchung" gezeigt. "Er tötet seine Mission." Aber der Historiker David E. Harrel Jr. von der Universität Alabama, ein frommer Pfingstler und Roberts-Biograph, besteht darauf, daß der 69jährige Evangelist nicht den Verstand verliert. "Oral wird gerade deprimiert", sagt Harell, "und wenn er deprimiert ist, dann spricht Gott zu ihm."Roberts has good reasons for feeling depressed. Donations are declining, bills are mounting, his television audience is shrinking and the core of his "prayer partners", as he calls his donors, is approaching retirement age.
Roberts hat gute Gründe, sich deprimiert zu fühlen. Die Geldspenden gehen zurück, die Rechnungen häufen sich, seine Fernsehzuschauer verringern sich, und der Kern seiner "Gebetspartner", wie er seine Spender nennt, nähert sich dem Rentenalter. In diesen Anzeichen des Abstiegs, sagt Harrell, liegt Roberts Gefühl verborgen, in seiner Suche nach Anerkennung versagt zu haben. Vor 20 Jahren verließ Roberts seine durch Glauben heilenden pfingstlichen Ursprünge, als er Methodist wurde, einem Country Club beitrat und die Oral Roberts-Universität gründete. Wie verlautet, erwägen jetzt die Methodisten, ihre Genehmigung der Theologieschule an der ORU zu widerrufen, weil der Lehrplan zu unabhängiger charismatischer Theologie tendiert. "All die Jahre, in denen Oral sich anpaßte", beobachtete Harrell, "bekam er nicht die breite Unterstützung, die er gesucht hatte, also kam er auf seine radikale charismatische Anhängerschaft zurück."
Fenster des Himmels: Es scheint, daß der alternde Evangelist nun zwischen zwei unvereinbaren Anhängerschaften hin- und hergerissen wird, die er zufriedenstellen will: den älteren - und ärmeren - Pfingstlern, die tatsächlich glauben, daß Roberts solche Wunder, wie Tote auferwecken, vollbringen kann, und jüngere, aufwärtsstrebende Charismatiker, die lieber Wohlstandswunder als Heilungswunder wollen. Von den eher weltlichen Fernsehpredigern aus der 2. Generation beeinflußt, hat Roberts sich vor kurzem den "Nenne-es-und-beanspruche-es"-Evangelisten angepaßt. Nach Aussage von Insidern betont diese Schule die Überzeugung, daß Gott Glaube mit materiellem Segen belohnt. Richard faßte den neuen Appell letzten März zusammen, als der jüngere Roberts am Höhepunkt der verzweifelten Kampagne seines Vaters, 8 Mio. Dollar aufzubringen, seine Zuschauer dazu aufforderte, "auf Ihre MasterCard, Visa oder American Express eine Saat zu säen, und wenn Sie das tun, erwarten Sie, daß Gott die Fenster des Himmels auftut und eine Segnung auf Sie regnen läßt."
Solche verzweifelten Bemühungen bestätigen wahrscheinlich nur den Eindruck des skeptischeren Publikums, daß Fernsehevangelisten nicht zu trauen ist. Laut der jüngsten Gallup-Umfrage sehen sie 63 Prozent der amerikanischen TV-Prediger als "nicht vertrauenswürdig im Umgang mit Geld" an. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) halten sie für unehrlich - das genaue Gegenteil einer ähnlichen Umfrage, die 1980 gemacht wurde. Und was vielleicht am schädlichsten von allem für Heiler wie Roberts ist: nur 30 Prozent glauben, daß Fernsehevangelisten "eine besondere Beziehung zu Gott haben".
Dennoch sieht Oral Roberts eine glänzende Zukunft für sich selbst voraus - wenn nicht in diesem Leben, dann im nächsten. Wie andere wiedergeborene Christen erwartet er, mit Jesus bei Seinem zweiten Kommen zur Erde zurückzukehren und dabei zu helfen, die Dinge in Gottes tausendjährigem Königreich am Laufen zu halten. "Ich habe eine Vision davon, daß Er uns einsetzen wird, um zu herrschen und zu regieren", erklärte Oral bei seiner Konferenz der charismatischen Kirchenämter. "Vielleicht haben wir beim zweiten Versuch mehr Macht." Aber Oral ist nicht darauf fixiert, in Jerusalem, ja nicht einmal in Washington D.C. zu regieren. Wie er sagt, wäre er vollkommen glücklich, wenn er nur über die 400 Morgen der Oral Roberts-Universität die Aufsicht führen könnte - diesmal aber finanzkräftig!
Kenneth L. Woodward mit
Frank Gibney Jr. in Tulsa
Quelle: Newsweek, 13. Juli 1987
